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Werkzeug, Fahrwerkbuchse Hinterachse

Volvo 200, 164

22.08.2024

Die hinteren Buchsen der Längslenker sind beim Volvo 164 ab 75 und bei der 200er Baureihe gern mal verschlissen, weil sie recht hohe Kräfte aufnehmen müssen. Wir zeigen an dieser Stelle, dass ein Austausch keine große Sache sein muss, wenn man das Presswerkzeug nutzt und es richtig verwendet.


Das Fahrzeug anheben und die Hinterräder demontieren. Für diese Reparatur ist eine Hebebühne unbedingt angeraten, auf Unterstellböcken wird es ganz sicher eine Quälerei und unter Umständen auch gefährlich.


Es ist unbedingt ratsam, die Buchsen eine nach der anderen zu machen, die Achse müsste sonst komplett abgestüzt werden.


Vor dem Lösen des Längslenkers ist die betreffende Seite mit einem Getriebeheber abzustützen. Wenn sie dafür wie hier im Bild die Randnabe verwenden, dann muss die Feststellbremse angezogen sein.


Sollte wie bei unserem Fotoauto ein Stabilisator vorhanden sein, diesen zuerst komplett demontieren. Er behindert das Ablassen der einzelnen Längslenker.


Der hintere Halter des Stabilisators muss obendrein demontiert werden, er ist mit der Schraube Achsbefestigung am Längslenker befestigt.


Zum Lösen des Stabilisators auf der anderen Seite der Achse die Befestigungsschrauben des Stoßdämpfers jeweils wieder lose durchstecken, den Getriebeheber dann natürlich auch auf der anderen Seite verwenden.


Nach der Demontage des Stabis beide vorderen Längslenkerlager zur Karosserie mehrere Umdrehungen lösen. Nicht herausdrehen!


Auf der abgestützten Seite jetzt die Stoßdämpferschraube entnehmen.


Der Längslenker lässt sich nun ganz bequem nach unten klappen.


Die alten Buchsen und ihren Sitz gründlich mit Rostlöser einsprühen.
Achtung:
In der Vergangenheit wurden die Buchsen immer mal mit einzelnen Schweisspunkten im Sitz gegen Verrutschen gesichert. Dieses bitte unbedingt prüfen! Sollten Schweisspunkte vorhanden sein, müssen diese unbedingt entfernt werden. Andernfalls wird das Presswerkzeug beschädigt!

Nun können sie das Presswerkzeug ansetzen. Alle Gewinde vorher gut ölen oder fetten um ein Fressen zu vermeiden. Die Stützhülse vorher zwischen die Haltelaschen setzen. Sollte diese nicht von allein im Sitz klemmen sind zwei Kabelbinder zur Sicherung an der Achse zu verwenden. Zum Auspressen wird das kleine Druckstück verwendet, das genau auf die Buchse passt.
Nutzen sie vor allem von den beiden kleinen Gewinden recht viel, die hintere Mutter muss immer ganz auf den Bolzen aufgedreht sein. Die Gewindehülse mit beidseitigem Gewinde auf jeden Fall weit auf den mittleren Bolzen aufdrehen, die dicke Mutter SW 36 am vorderen Ende muss aber noch mindestens 3-4 Gewindegänge auf die Gewindehülse gedreht werden.
Keinesfalls einen Schlagschrauber verwenden!

Die Betätigung des Presswerkzeugs erfolgt mittels Schraubenschlüsseln SW24 und SW36. Für die Mutter SW36 ist eine lange, stabile Ratsche eine Arbeitserleichterung.
Achtung: Wenn sich die Buchse ohne größeren Gewaltaufwand nicht in ihrem Sitz bewegen will, Werkzeug wieder abnehmen und äussere Hülse weiter mit Rostlöser und ggf. Flamme oder Meissel bearbeiten, bis sie sich löst.
Anderfalls könnte auch das Presswerkzeug beschädigt werden!
Diese Presswerkzeuge wurden zu Bauzeiten der Fahrzeuge für Jungwagen entwickelt und nicht für vierzig Jahre festgerostete Fahrwerksbuchsen!

Löst sich die Buchse, wie im Bild mit Hilfe des Presswerkzeugs mit einem leichten Knacken, lässt sie sich meist dann auch in einem Stück herausdrücken.


Den Sitz der Buchse reinigen und so weit es geht vom Rost befreien, möglichst aber kein Material abtragen.


Den gereinigten Buchsensitz jetzt für Montage und Korrosionsschutz am Besten etwas einfetten. Später darauf achten, dass nichts von dem Fett auf dem Gummi der Buche verbleibt.


Zum Einpressen der neuen Buchse werden die zwei gleich großen Druckstücke verwendet. Das mit der großen Bohrung kommt unter die große Mutter auf der Achsseite. Die kleine Mutter über der Buchse auf das Gewinde ganz aufschrauben! 
Auf der anderen Seite von beiden Gewinden möglichst gleichmäßig viel nutzen, die große 36er Mutter sollte keinesfalls nur ein oder zwei Gewindegänge auf der Gewindehülse greifen.

Wenn sie nun auch die Stützhülse angesetzt haben, lässt sich die Buchse recht einfach mit einer langen Ratsche in die Sitzlaschen ziehen.


Ist die Buchse in ihrem Sitz angekommen, stößt sie auf der Außenseite an, ein Weiterdrehen ist dann nicht mehr möglich. Das Presswerkzeug nun zerlegen und entnehmen.


Vergessen sie nicht, auch die Stützhülse abzunehmen. Das haben in der Vergangenheit garnicht so wenig Mechaniker geschafft.


Prüfen sie nun die Buchse auf festen Sitz, es kommt nicht selten von, das die Sitzlaschen über die Jahre durch Korrosion und Reinigung etwas an Material verloren haben. Dann lässt sich eine neue Buchse mit etwas Gewalt leicht hin- und herbewegen.


In einem solchen Fall, wie auch hier, kann man die Buchse mit zwei Schweisspunkten an den Sitzlasche anheften. Setzen sie diese Schweisspunkte innen zwischen die Sitzlaschen, so dass diese hinterher zum Auftrennen oder Abschleifen gut erreichbar sind. Schweißen sie nicht zu lange, um die neue Buchse nicht zu beschädigen. Zwei Heftpunkte reichen vollkommen aus!
Der restliche Zusammenbau erfolgt in umgekehrter Reihenfolge. Montieren sie den Stabilisator, falls vorhanden, immer zum Schluss.
  • Diese Hinweise dienen nur zur Orientierung und ersetzen nicht die Einbaurichtlinien der Fahrzeughersteller! Alle Angaben ohne Gewähr!

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