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Vergasermembranen auf Abwegen

10.11.2011

Als Ersatzteil-Spezialist für Volvo und Saab kennt man SKANDIX normalerweise. Doch was hat SKANDIX mit Zweiventil-BMW-Boxer-Fahrern zu tun?
Die Antwort finden Sie im anschließenden Bericht aus der BMW Motorräder Nr. 38. Wir sagen nur: Ein Tipp für die BING-VERGASER

Die Technik der vielen Zweiventiler, die es noch gibt, wird auch vom Stehen nicht besser. Gummi muss man ab und zu ersetzen. Ein Tipp für die BING-VERGASER

Fast allen Zweiventil- Boxer-Fahrern sind die Membranen in den Domen der Bing Gleichdruck- oder Unterdruckvergaser ein vertrauter Anblick. Die Vergaser dieser Bauart funktionieren recht verlässlich und lassen sich narrensicher bedienen, da der Schieberhub nicht von einer ungeduldigen Gashand reguliert wird. Der Gaszug öffnet lediglich die Drosselklappe, infolgedessen der Unterdruck im Saugrohr den Gasschieber, der in einer Gummimembran aufgehängt ist, hebt und senkt. Diese Bauweise garantiert weichen Leistungseinsatz samt guten Abgas- und Verbrauchswerten.

Doch leider gehören diese Membranen mittlerweile zu den Verschleißartikeln wie Batterien oder Bereifung. Konnte man einst mit einer Membranlebensdauer von sechs bis acht Jahren rechnen, scheinen solche Standzeiten nun illusorisch. Es ist zu befürchten, dass es am Kraftstoff liegt und schon der E5-Sprit den Gummiteilen mehr zusetzt als die hierzulande üblichen Benzinsorten der DM-Ära.

Mit der offenbar kürzeren Lebensdauer von rund drei Jahren ging eine Preissteigerung einher. Waren die Membranen noch in den neunziger Jahren zu Stückpreisen von rund 15 Mark beim BMW-Händler wohlfeil, listet das Münchener Unternehmen die unverbindliche Preisempfehlung 24,16 Euro für eine große Membran und 21,42 Euro pro kleinerem Pendant auf. Freie Händler bieten die Membranen zwar marginal günstiger an, doch wenn ein Pärchen Membranen benötigt wird, sind dort ebenfalls runde 40 Euro perdü.

Die Membranen sind reif zum Wechseln, sobald sie so weich geworden sind, dass der Schieber nicht mehr sauber geführt wird, was miserable Laufeigenschaften nach sich zieht. Eine weitere Erscheinung, die früher nicht so ausgeprägt war, ist das Quellen der Membranen, die, einmal aus dem Vergaser genommen, nicht wieder in die passenden Vertiefungen und Nuten im Vergasergehäuse und dem Domdeckel passen wollen. Meist müssen dann die Membranen ein paar dunkle Tage auf der Werkbank verbringen, bevor sie sich wieder montieren lassen. Daher liegt es nahe, sich einen zweiten Satz Membranen zuzulegen, um keine Wartezeiten erdulden zu müssen.

Der entscheidende Tipp für Sparwillige kam von Atavar aus dem BMW-Zweiventilerforum (www.2-ventiler.de). Er fährt selber bereits geraume Zeit passende Substitute in den 40er-Bing-Vergasern seiner R 100 GS und hat damit gute Erfahrungen gemacht. Atavar meinte, dass Membranen für Stromberg- Vergaser passen würden. Seine hatte er bei einem Bootsmotoren-Spezialisten erworben.

Die schwedischen Stromberg-Vergaser sind ebenfalls an betagten Volvo-Pkw-Motoren zu finden, was uns den Weg zur SKANDIX AG (www.skandix.de, Telefon 05383-96 00 96) nahelegte. Dort fanden wir uns mit Bing-Membranen ein und verglichen diese mit Teilen für die Strombergs. Man konnte uns dort weiterhelfen. Die Membranen waren am Lager, und wir nahmen zwei Paar mit. 5,02 Euro kostete eine Membran für die 40er-Vergaser, 5,95 Euro jeweils eine für die 32er-Bings. Das eine Paar kam in die „R 100 nackt“, die 1980 ihr Leben als R 100 RT begonnen hatte und demzufolge mit 40er-Gemischaufbereitern versehen ist. Das andere Paar bauten wir in die R 100 RS von 1992, die ihr Kraftstoff-Luftgemisch aus 32er-Bings bezieht. Schon der Einbau war unkritisch, da die Membranen auch jeweils wie dafür gemacht in die Vergaser passen und sie sogar die passenden Erhebungen besitzen, mit denen sie in der korrekten Einbauposition fixiert werden.

Die Membranen für die 40er- Vergaser waren etwas dicker, was langsamere Reaktionen auf Gasbefehle zu verheißen schien. Jedoch war in der Praxis davon nichts zu spüren. Mit beiden Sätzen wurden bisher je drei Tankfüllungen verfahren, so dass ich noch keine Langzeiterfahrungen bieten kann und lediglich auf jeweils tausend Kilometer unauffällige Funktion der „After-Market“-Teile verweisen möchte. Wenn aber nun die Membranen vom Volvo-Händler genauso lange halten wie die BMW-Teile, dann hat der Kunde schon gespart.

Text und Fotos: Andy Schwietzer

Weitere Infos...

  • Bericht in BMW Motorräder Nr. 38
  • Stromberg Vergasermembranen