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Reise-Blog: Magie des Lichtes - Die Lofoten per Fahrrad erleben (1)

22.10.2014

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Skandinavien-Tour Sommer 2014


Der Reise-Journalist Reinhard Pantke berichtet von seiner aktuellen Tour mit dem Fahrrad durch das Baltikum, Schweden und Norwegen bis nach Nordfinnland. Begleiten Sie ihn virtuell auf seiner Reise bis zum Nordkap und erfahren Sie interessante Details über Land und Leute!

Magie des Lichtes

"Noch nie habe ich so klare Farben gesehen! Die weißen Schneefelder an den blauen Bergen und das Grün so saftig. In leuchtenden Flecken und Strahlen erscheint das Spiegelbild im stillen Fjord. Es ist ein Bild einer Märchen-Phantasie; hier muss der Ort sein, wo die Prinzessin verzaubert wurde". So beschrieb der Künstler Theodor Kittelsen, im 19. Jahrhundert die „Luchsfüsse“ . Auch heute haben die Inseln nichts von ihrer Faszination verloren und werden jeden in Ihren Bann ziehen.

Svolvær ist mein Ausgangspunkt für die Erkundung der Inselwelt. Man erreicht den Ort sowohl mit dem Auto, als auch mit Personenfähren vom Festland aus. Mir gefällt das ein paar Kilometer westlich gelegene, beschauliche und etwas verschlafen wirkende, alte Inselhauptstädtchen Kabelvåg wesentlich besser. Direkt an der Hauptstraße liegt auch die große Holz-Kathedrale, die mehr als 1.200 Menschen Platz bietet. Wer die Lofoten und die Bedeutung des Fischfangs für die Insulaner besser verstehen will, sollte sich das nahe gelegene „Lofot Museet“ anschauen.

Henningsvær

An der Abzweigung nach Henningsvær liegt ein traumhafter, weißer Sandstrand: Glasklares Wasser verlockt zu einem Bad. Bei Windstille kommen fast mediterrane Gefühle auf, aber jeder, der mal einen Zeh in das Wasser gehalten hat, wird schnell wieder in die nordische Realität zurückgeholt! Auch die seichten Buchten an der geschützten Innenseite werden in guten Sommern nicht wärmer als 15 oder 16 Grad, in diesem Jahrhundertsommer waren es sogar an einigen Plätzen bis zu 18 Grad! An der ungeschützten Westseite der Inseln kann man sogar nur „Eisbärenwohlfühl-Temperaturen“ von 12 Grad erwarten – aber trotzdem ist der Gedanke verlockend: Wer kann von sich behaupten, dass er mal 150 km nördlich des Polarkreises ins Wasser „gehüpft“ ist? Weiter als bis zur Hüfte wagen wir uns trotzdem nicht rein.

Auch die folgenden 8 Kilometer nach Henningsvær sind märchenhaft schön: Die schmale Straße windet sich zwischen Felsblöcken, vorbei an stillen Buchten mit durchsichtig klarem Wasser, dass mal verlockend blau oder grün in der Sonne blitzt. Irgendwo ziehen Paddler durch das Wasser und direkt neben der Straße erproben Kletterer ihr Geschick an den senkrecht abfallenden Granitwänden. Im nahe gelegenen Henningsvær hat die nordnorwegische Kletterschule ihren Sitz.

Der sich über mehrere Felsinseln erstreckende Fischereiort wird zu Recht als das „Venedig des Nordens“ bezeichnet. Vor dem Hintergrund der hohen Berge breitet sich ein bunter Ort mit familiären Fischereibetrieben, Booten, Cafes und vielfältigen Kunst-Galerien aus. Im kleinen Hafen liegen typische Fischerboote neben Segelyachten und Ausflugsbooten. Und wer an einem sonnigen Sommerabend in einem der Cafés in den Schein der Mitternachtssonne blinzelt, wird kaum das Vorurteil vom kalten und dunklen Norwegen bestätigen können. Tatsächlich hat diese Region der Erde mehr Licht als jede andere, da die Dämmerungsphasen extrem lang sind und es selbst in der Zeit der winterlichen Polarnacht tagsüber nicht wirklich dunkel ist.

Im Ort gibt es einige Galerien, wie z. B. die des Malers Erik Harr, der imposante Einblicke in die Naturgewalten der Lofoten gibt. Bevor wir wieder zur Hauptstraße zurück radeln, statten wir dem „Fiskekrogen“, dem bekanntesten Fisch-Restaurant auf den Lofoten einen Besuch ab. Um das Vergnügen nicht zu schmälern verzichten wir darauf, den Preis in Euro umzurechnen. Wie heißt es doch in einem Reiseführer: „Selbst der Sultan von Brunei zuckt zusammen angesichts der Preise in Norwegen“. Das Mahl wird heruntergespült mit einem Bier am Hafen, jetzt zur Happy Hour kostet es nur 8,- Euro.

Richtung Stamsund

Zurück auf der Hauptstraße geht es munter rauf und runter. Doch von den kleinen Anhöhen und hohen Brücken hat man umso bessere Ausblicke auf die wunderschöne Küstenlinie. Es ist fast windstill, das Thermometer zeigt 21 Grad an, ich muss mir immer wieder klarmachen wie weit im Norden wir eigentlich unterwegs sind – auf gleicher Breitenlage findet man sonst in Grönland oder Sibirien Eisberge oder Permafrostboden!

Bald kann man jedoch die etwas stärker befahrene Europastraße verlassen und auf einer schmalen Nebenstraße fast immer am Meer entlang in Richtung Stamsund radeln. Auf den nächsten 45 km begegnen uns nur wenige Autos. Die nächste größere Ortschaft Stamsund ist ein geschäftiger Fischereiort und zweiter Halteplatz der Hurtigruten-Schiffe auf den Lofoten. Noch heute gibt es am Hafen alte, rustikale Rorbuerhütten, die früher während der Fangzeit von den Fischern bewohnt wurden. Heute werden sie von Touristen gemietet und sind ein perfekter Platz um die Seele baumeln zu lassen. Einmal in den Schaukelstuhl ans Fenster gesetzt und unter Garantie hat ein paar Minuten später etwas angebissen und das Abendessen ist gesichert.

Von hier aus radeln wir über eine kleine Anhöhe mit 130 Höhenmetern hinüber in den modernen Verwaltungsort Leknes. Viele, die gedanklich Radfahren und Norwegen im Kopf verbinden, denken ja zunächst einmal an die hohen Pässe im Süden des Landes. Auch wenn es auf den Lofoten zahlreiche Berge gibt, die höher als 1.000 m sind, so führen die Straßen hier am Fuße der Berge entlang und es gibt keine Straßenerhebungen, die höher als 130 Meter über dem Meeresspiegel liegen. Nur der auch im Sommer unberechenbare Wind kann einem das Vorankommen erschweren.

Ein kurzer Abstecher bringt uns von Leknes aus zum Wikingermuseum von Borg. Das „Lofotr Viking Museum“ ist ist die Rekonstruktion eines Häuptlingssitzes aus dem 5. Jahrhundert. Mit einem staubigen, langweiligem Museum hat dieser Platz keine Gemeinsamkeiten: Im schummrigem Dämmerlicht des großen Hauses kann man den Nachfahren der harten Nordmänner beim Feiern, Schnitzen und Met-Brauen über die Schulter schauen!

Magische Kraftplätze

Zwei meiner persönlichen Lieblingsplätze und magische Kraftplätze erreiche ich mit einem kurzen Abstecher zu den Stränden und Buchten von Haukaland und Utakleiv. Zunächst radelt man zwischen den schroffen Bergen über eine kleine Anhöhe von der aus man den Blick auf die weit geschwungenen, feinsandigen Traumstrand von Haukaland fällt. Hier wurden sogar schon Werbespots für Duschprodukte gedreht! Die weißen Strände lassen an warmen Sommertagen „Karibikfeeling“ aufkommen. In südlichen Gefilden würden hier vermutlich Hotelburgen und Restaurant stehen: Hier jedoch gibt es nur einen an guten Sommertagen geöffneten Imbisswagen.

Wir fahren auf einem alten Fahrweg, der heute Fahrradfahrern und Wanderern vorbehalten ist, am offenen Meer entlang nach Utakleiv. Der schmale Schotterweg wird gesäumt von haushohen Gesteinsblöcken, die hier immer wieder mal in der kalten Jahreszeit von den umliegenden, steilen Felswänden herunter sausen. Da es noch immer wolkenlos ist, fahren wir ans offene Meer, wo ein Strand mit haushohen Findlingen übersät ist. Dort ist auch ein kleiner, einfacher Campingplatz mit WC und Wasserhahn. Da der Himmel noch vollkommen klar ist, fahre ich zu einem mit riesigen Findlingen bedeckten Strand und beobachte fasziniert wie sich an den Steinen Wellen brechen, die für Augenblicke Fantasie-Gebilde formen, welche im goldenen Schein der Mitternachtssonne glänzen. Nur ein paar Schafe blöken in der Ferne und als wir nach Stunden zum Zelt zurückkehren, stellen wir verwundert fest, dass es schon 2 Uhr morgens ist.

Eigentlich braucht man hier im Norden Norwegens keine Uhr, wie sagte mir mal ein Maler mit leuchtenden Augen: „Hier kannst Du im Sommer richtig frei sein ...“

Lange Zeit war eine abenteuerliche Piste und ein nicht minder gefährlicher Bergpfad der einzige Zugang zu dem winzigen Nest, das direkt an der Westseite liegt. Heute gibt es einen ca. 1 km langen, einspurigen Tunnel, der erst vor ungefähr einem Jahrzehnt für eine Handvoll Menschen gebaut wurde, die es ganzjährig an der isolierten wilden Westküste aushalten. Einst lebten dort bis zu 200 Menschen, die nur über eine wilde Bergstraße oder eine dem Steinschlag ausgesetzte Straße eine Verbindung zur Außenwelt hatten. Doch der Tunnel kam zu spät - heute leben nur noch sehr wenige Menschen kontinuierlich hier. Die meisten Menschen auf den Lofoten leben an der geschützten Innenseite, besonders die jüngeren Menschen ziehen immer mehr in die wenigen, größeren Städte. Wer hier an einem schönen, windstillen Sommertag ist, kann sich kaum vorstellen, mit welcher Brutalität die Winterstürme hier über den offenen Nordatlantik toben und das Leben lahmlegen können.

Wie es weiter geht mit der Lofoten-Passage erfahren Sie hier in 14 Tagen. Dazu gibt es dann noch eine Reihe von Reiseempfehlungen.

Text und Fotos © Reinhard Pantke