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Reise-Blog: Die goldene Route - Geiranger und der Trollstigen

24.09.2014

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Skandinavien-Tour Sommer 2014


Der Reise-Journalist Reinhard Pantke berichtet von seiner aktuellen Tour mit dem Fahrrad durch das Baltikum, Schweden und Norwegen bis nach Nordfinnland. Begleiten Sie ihn virtuell auf seiner Reise bis zum Nordkap und erfahren Sie interessante Details über Land und Leute!

Geiranger - der Fjord der Fjorde

Die Gegend um Geiranger und den Trollstigen ist ein absoluter Touristenmagnet. Im Sommer kommen sie in einer kurzen Zeitspanne mit Kreuzfahrtschiffen, der Hurtigrute, Wohnmobilen, Bussen und nicht zuletzt auch manchmal mit Fahrrädern. Während man im Juli schon suchen muss, um einen Stellplatz für sein Zelt oder das Wohnmobil zu bekommen, und Tausende von Touristen dem kleinen Dorf fast südländisches Flair geben, ist es von Mitte Mai bis Ende Juni und dann wieder ab Mitte August wesentlicher ruhiger und entspannter. Die schönste Zeit ist für mich persönlich die zweite Maihälfte, wenn der in den Bergen schmelzende Schnee die Wasserfälle noch dramatischer anschwellen lässt und tausende, blühende Obstbäume die Hänge in ein weisses Blütenmeer verwandeln.

Auf meiner Radtour durch das bergige Fjordland Norwegen ist die Fährfahrt von Hellesylt nach Geiranger nicht nur eine willkommene Atempause zwischen zahlreichen Gebirgspässen, sondern auch eine entspannte Möglichkeit, Wasserfälle wie die „Sieben Schwestern“, den „Brautschleier“ oder die vielen an den steilen Hängen „klebenden“ Bauernhöfe zu bewundern, die nach und nach aufgegeben wurden und bis heute liebevoll erhalten werden. Das milde Klima ernährte auf kleinstem Raum Ziegen und Kühe und ließ auch zahlreiche Obstsorten und z.B. sogar Aprikosen gedeihen!

Wer dem hochsommerlichen Rummel im gleichnamigen Ort am Ende des ca. 20 km langen Geiranger-Fjordes entkommen will, der sollte sich in der Touristeninformation über die zahlreichen Wandermöglichkeiten informieren: Von kurzen Spaziergängen bis zu anspruchsvollen Bergwanderungen ist alles möglich. Für „Fußlahme“ bietet sich der nur im Sommer per Strasse erreichbare ca. 1400 m hohe Dalsnibba-Berg an, der eine fantastische Fernsicht fast aus Vogelperspektive über den Fjord und Ort bietet.

Über die Adlerstrasse zum Trollstigen

Doch mein Ziel liegt in der entgegengesetzten Richtung. Langsam kurbele ich mich von Meereshöhe immer höher auf der 624 m hohen Adlerstrasse hinauf, der einzigen Verbindung über die man das kleine Dorf Geiranger auch im Winter erreichen kann. Wer denkt, dass das ja gar nicht so hoch sei, der sollte bedenken, dass es im Fjordland meist immer auf Meereshöhen losgeht. Die steile Serptinenauffahrt wird belohnt mit einem wunderbaren Ausblick auf den Fjord. Oben muss ich allerdings auch anhalten, weil sich eine halbe Busladung japanischer Touristen mit mir und meinem Fahrrad fotografieren lassen will.

Rasend schnell geht es auf der anderen Seite wieder hinunter zum Fjord und per Fähre hinüber in Richtung Valldal. Der lange Anstieg zum Trollstigen führt mich durch abwechslungsreiche Täler. Um Valldal herum gedeihen große Erdbeerplantagen, die einmal mehr zeigen, dass das Klima hier so mild und sonnig ist wie an kaum einem anderen Platz gleicher Breitenlage.

Durch das abwechslungsreiche Isterdalen windet sich die Strasse vorbei an schroffen Bergzügen, glasklar vor sich hingurgelnden und glucksenden Wildbächen und dichten Wäldern stetig und leicht immer weiter hinauf. Ich kann mein Glück kaum fassen - das Thermometer zeigt 29 Grad im Schatten - dafür fließt der Schweiss in Strömen! Weiter oben im schattenlosen Fjell sind es fast 40 Grad in der Sonne und ich beobachte einige Schafe, die in den schattigen Mulden Schutz vor der Sonne suchen.

Der Weg der Trolle

Der Trollstigen ist ein alter Pfad, der früher von den Bauern für den Viehtrieb genutzt wurde und erst 1936 zur Strasse wurde. Die Aussichtsplattformen oben bieten eine fantastische Aussicht. Die Wegführung erinnert an Mikadostäbe, die sich verwirrend im Zick-Zack in 12% und mehr Steigung förmlich den Berg hochschrauben und dabei auch einen Wasserfall kreuzen. Der Pass ist oft bis in den Mai gesperrt und manchmal sogar im Sommer kurzzeitig wegen Steinschlag oder Lawinen bei schlechtem Wetter geschlossen.

Der Pass ist sicher die schönste und eindrucksvollste Bergstrasse Norwegens und immer wieder halte ich an, um nicht nur das fantastische Panorama des weiten Tales zu geniessen, sondern auch die Bremsen zu kühlen, die bei über 12% Gefälle schnell glühend heiß werden. Mir entgegen kommen die Teilnehmer eines Radrennens, die die 824 m hohe Passhöhe zu ihrem Ziel auserkoren haben. Einer der Zuschauer erzählt mir, dass der älteste Teilnehmer 74 Jahre alt ist – Norweger kennen beim Sport keine Grenzen! Man ist in Norwegen nie zu alt für etwas - eine sympathische Grundeinstellung. Ich rolle immer weiter ins Tal hinunter und freue auf das wilde Raumadalen und die Fahrt Richtung Dombas. Doch das ist eine andere Geschichte.

Text und Fotos © Reinhard Pantke