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Schwimmsattelbremsen

Volvo, Saab 700, 900, 850, V70, V40, 900, 9000, 9-3, 9-5

12.09.2018

Allgemeiner Hinweis zur Fehlerdiagnose und -Behebung an den Führungsbolzen von den meisten modernen Schwimmsattelbremsen.


Dies ist ein allgemeiner Hinweis zu Schwimmsattelbremsen dieser Bauform, hier im ersten Beispiel an einem Girling-Bremssattels eines Volvo 940.
Wenn Bremsbeläge bei solchen Sätteln schief (Bild) oder stark einseitig abgelaufen sind, dann stimmt etwas nicht. Meist liegt das an hängenden Führungsbolzen.
Das äussert sich beim Fahren häufig in mehr oder weniger starken Vibrationen beim Bremsen, teilweise sogar während der Fahrt, weil der Belag noch an der Scheibe klemmt. Auch rollt das Auto nicht frei, höherer Verbrauch und Belagverschleiß sind die Folge. Bei starken Hängern kann das natürlich auch zu Schlägen in der Bremsscheibe führen.


Das die Führungsbolzen irgendwann anfangen zu hängen, liegt entweder an defekten Manschetten oder am Rost am freiliegenden Teil des Bolzens, der natürlich nach einiger Zeit unter die Manschette wandert und sie damit wirkungslos macht. Pauschal kann man bei den Girling-Sätteln sagen, das sowas im fortgeschrittenen Alter des Fahrzeugs eigentlich immer auftritt.
Bei dem abgebildeten, abgerissenen Führungsbolzen ist der Kragen schon soweit weggerostet, dass eine neue Manschette ohnehin nicht mehr sitzen würde.
Sauberschleifen ist hier völlig sinnlos, von dem Führungskragen würde dann nichts mehr überbleiben.


Schlimmstenfalls endet sowas dann so, wenn die Bolzen nicht früh genug ausgetauscht werden. Weil der Bolzen sich nicht mehr bewegen ließ, ist er nach einigen Löseversuchen einfach abgerissen. Damit ist jetzt auch ein neuer Sattelträger fällig, weil man sowas nicht oder nur schwer herausbekommt. Bitte hier keine Experimente mit Ausbohren, das beschädigt meist nur den Sattelträger, ausserdem hat der Führungsbolzen eine Zugfestigkeit von 10.9, was ein Bohren ohnehin zur Tortur machen würde.


In einem solchen Fall sollte der Sattelträger neu gemacht werden. Hier im Bild vormontiert aus dem Bolzensatz 1015454 und dem Sattelträger 1010859, der Träger wird immer ohne Bolzensatz ausgeliefert.


Tauscht man verrostete Führungsbolzen hingegen frühzeitig, ist der Sattelträger meist weiterverwendbar, allerdings sollte auch hier auf die Sauberkeit der Bohrung, frisches Montagefett und natürlich einen intakten Manschettensitz geachtet werden.
Achtung: Die Bolzen haben auch in einem neuen Sattelträger ein leichtes Spiel, das muss so sein.


Bei anderen Schwimmsattelsystemen wie zum Beispiel von ATE, wo die Führungsbolzen in den Sattelträger oder Achsschenkel geschraubt sind und die Führung im Sattel ist, kommt es ab einer gewissen Nutzungsdauer zu anderen Klemmern, die grundsätzlich meist zwei Ursachen haben. Diese Systeme gibt es zum Beispiel am Saab 900, 9-3 (-03) oder 9-5(-10) und bei Volvo am 850 (Bild) oder V70.
Zum Einen werden hier die Führungsbolzen natürlich auf der Seite der Verschraubung bei zunehmendem Verschleiss der Bremse verschmutzt, da sie dort meist freiliegen. Fehlen auf der Seite des Innensechskantes die Kappen oder sind konstruktionsbedingt garnicht vorhanden, dringt dort natürlich auch Schmutz und Wasser ein. Dieser Schmutz lagert sich auf den Bolzen ab und behindert dessen Gleiten in der Kunststoffbuchse. Deswegen sollten die Bolzen bei jedem Bremsenservice entnommen und gereinigt oder ersetzt werden, die Kunststoffhülsen und Manschetten müssen intakt und sauber sein.
Der zweite Grund für Hänger bei diesem System kann Korrosion am Sattel in der Führungsbohrung sein. Diese Korrosion klemmt die Führungshülse immer mehr ein, so das diese irgendwann auf dem Führungsbolzen festklemmt.


Im oberen Bild sieht man eine solche Bohrung ohne die Kunststoffhülse. Hier zwar verschmutzt und leicht korrodiert, aber durchaus noch brauchbar.
Im Falle stärkerer Korrosion ist ein Reparatursatz für den versierten Schrauber unabwendbar, da die Hülsen aus dem Sattel müssen, um die Bohrung zu reinigen und sie wieder auf ihr ursprüngliches Maß zu bringen. Die Hülsen werden dabei meist zerstört, wenn sie nicht ohnehin schon defekt sind. Nach dem Aushohnen (ATE bietet dafür Honbürsten an, zu sehen im nächsten Bild) und Reinigen werden die Hülsen mit einem für die Kunststoffe verträglichen Fett wie Plastilube wieder montiert und der Sattel kann, sofern alles andere in Ordnung ist, wieder verwendet werden.
Wer sich diese Instandsetzung, bei der ein wenig Fachkenntnisse erforderlich sind, nicht zutraut, sollte lieber zu einem Neuen oder einem Austauschsattel greifen. Dort ist das alles vormontiert und der hydraulische Teil ist dann auch gleich neu.
Hier ist noch anzumerken, das die Verschraubung des Sattels mit dem Achsschenkel oder dem Sattelträger einer gewissen Sorgfalt bedarf: Häufig werden die Gleitbolzen schief angesetzt und so die Gewinde beschädigt oder zu fest angezogen mit meist demselben Ergebnis. Bitte bei den Drehmomenten unbedingt die Herstellervorschriften beachten, im schlimmsten Fall kann das, je nach Bauart, einen neuen Achsschenkel erfordern! 


Hier noch mal der Vorgang des Honens an einem ATE-Sattel mit auf der anderen Seite bereits montiertem Reparatursatz.
Generell gilt, das alle beweglichen Einrichtungen an Schwimmsattelbremsen einer gewissen Wartung bedürfen. Auch die Gleitflächen für die Bremsbeläge müssen natürlich gereinigt werden und dürfen keine behindernde Korrosion aufweisen. Vor dem Einbau sind diese zum Beispiel mit Plastilube (1049363) zu Fetten.
Die Kontrolle der Führungsbolzen vor einem Belagwechsel ist relativ einfach, das Rad demontieren, einen Führungsbolzen abschrauben und den Sattel abklappen. Schon kann man die Beweglichkeit dieser Teile prüfen. Ein Austausch von Teilen bei ungewissem Zustand ist im Zweifelsfall aber immer die bessere Lösung. 
Es lohnt sich, das Pedalgefühl einer korrekt instandgesetzten Bremse ist ein völlig Anderes.
Oft hat sich hier vorher eine gewisse Gewohnheit eingeschlichen. Manch einer merkt erst, wie schlecht seine Bremsen wirklich waren, wenn sie neu gemacht sind.
Und immer dran denken: Bremsen sind sicherheitsrelevante Teile! Nicht fachgerechte Reparaturen haben an solchen Fahrzeugbauteilen nichts zu suchen.

  • Diese Hinweise dienen nur zur Orientierung und ersetzen nicht die Einbaurichtlinien der Fahrzeughersteller! Alle Angaben ohne Gewähr!

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