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Reise-Blog: Tromsø und die nördlichste Brauerei der Welt

26.11.2014

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Skandinavien-Tour Sommer 2014


Der Reise-Journalist Reinhard Pantke berichtet von seiner aktuellen Tour mit dem Fahrrad durch das Baltikum, Schweden und Norwegen bis nach Nordfinnland. Begleiten Sie ihn virtuell auf seiner Reise bis zum Nordkap und erfahren Sie interessante Details über Land und Leute!

Tromsø

Meine vier Monate lange Reise zum Nordkapp hat mich mittlerweile weit über den Polarkreis hinaus gebracht. Am 18. August komme ich in Tromsø an und immer noch liegen über 600 km zum Nordkapp vor mir!

Tromsø ist mit über 70.000 Einwohnern die letzte große Stadt auf dem Weg in den äussersten Norden Norwegens. Die Stadt war bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts oft Ausgangspunkt für Expeditionen in die damals noch unerforschten Arktisregionen und ist noch heute einer der wichtigsten Plätze zur Erforschung des Nordlichts. Eine lebendige Stadt mit vielen Studenten und Kneipen, die heute noch den Beinamen trägt „Das Paris des Nordens“ zu sein. Nach vielen Wochen in der Natur geniesse ich das quirlige Stadtleben jetzt ausgiebig!

Auf der anderen Seite des Fjords steht die futuristische Eismeerkathedrale, deren riesige Glasmosaike in der Herbstsonne funkeln. Wenn man Glück hat, finden dort in der Sommerzeit Konzerte um Mitternacht statt. Wer gerne nachts aktiv ist, sollte danach einfach mal mit der „Fjellheisen“ Seilbahn auf den über 450 m hohen Hausberg „Storsteinen“ hinauf fahren, von dem aus man von Ende Mai bis fast Ende Juli perfekt die Mitternachtssonne sehen kann.

Männerträume aus Hopfen und Malz

In der Stadt gibt es ein besonderes „kulturelles Highlight“, das ich mir natürlich nicht entgehen lassen will. Die „Mack Brauerei“ ist die nördlichste Brauerei der Welt und wurde einst von dem Sohn eines deutschen Einwanderers aus meiner Heimatstadt Braunschweig gegründet.

So lasse ich es mir trotz der hohen Preise nicht nehmen, die berühmte dazugehörige „Ölhallen“ zu besichtigen. Wie stand es mal in einem Reiseführer beschrieben: „Selbst der Sultan überlegt zwei Mal, bevor er in Norwegen ein Pils bestellt“. Bei Preisen von 8 bis 12 Euro für ein großes Pils versteht man den Sinn dieser Aussage schnell und kann trotzdem der überbordenden Vielfalt der vielen Zapfhähne nur schwer widerstehen. In einem schummrigen und rustikalen Keller neben der Brauerei findet man in der Ölhallen die erste und lange Zeit einzige Kneipe der Stadt.

Irgendwann befanden die Stadtoberen, dass es einen Platz geben müsste, an dem Männer der Stadt in Ruhe ihr Bier trinken dürfen. So kamen die Städter, aber auch auswärtige Seeleute, Abenteuerer und Jäger in dieses „männliche Bollwerk“. Bis in die 60er Jahre hinein hatten dort ausschliesslich Männer Zutritt - Frauen durften allenfalls mal an einer kleinen Luke klopfen und fragen, ob der „Alte“ wieder die ganze Heuer vertrinkt oder irgendwann vielleicht doch nach Hause kommt. In den 70er Jahren haben sich die Frauen den Zugang erkämpft. Die eigentliche Brauerei ist heute einige Kilometer südlich der Stadt, aber die alte Produktionsstätte kann man noch heute inkl. mehrerer Proben besichtigen und einige der arktischen Kaltgetränke aus dem umfangreichen Sortiment auch im daneben liegendem Shop erwerben.

Immer weiter nordwärts

Es wird langsam und merklich Herbst - als ich die größte Stadt des Nordens verlasse, und die letzten 600 km angehe, nieselt es bei grade mal 10 Grad Celsius. Bald nördlich von Tromsø überquere ich die sogenannte „Kartoffelgrenze“. In früheren Jahrhunderten war dies die Grenze, nördlich derer die Menschen nicht aus eigener Kraft überleben konnten, weil sich die kurzen Vegetationsperioden nicht mehr für den Anbau von Kartoffeln eigneten.

Ich staune, denn heute komme ich an kleinen Erdbeerfeldern vorbei, die wenn überhaupt, jetzt erst im späten August langsam reif werden. Tromsø liegt auf der Höhe Nordgrönlands oder Nordsibriens, wo in eisigen Permafrostregionen nichts mehr wächst und die Eisberge vor der Haustür treiben. Der Golfstrom sorgt auch hier für ein mildes Klima.

Die letzte Etappe zum Nordkapp, und wie die 5.000 km lange Tour zu Ende geht, können Sie in der nächsten Folge nachlesen.

Text und Fotos © Reinhard Pantke

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