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Reise-Blog: Schärenküste

21.07.2010

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Skandinavien-Tour Sommer 2010


Der Skandinavien-Experte und Reise-Journalist Reinhard Pantke berichtet von seiner aktuellen Tour mit dem Fahrrad durch Schweden und Norwegen. Begleiten Sie ihn virtuell auf seiner Reise und erfahren Sie interessante Details über Land und Leute!

Die Schärenküste

Göteborg hat sich in den letzten Jahren zur Fahrradfahrerstadt „gemausert“: Alle Wege aus der Stadt sind nicht nur für Radfahrer gut ausgeschildert, sondern führen auch auf separaten Fahrradwegen aus der Stadt hinaus. Kleiner Wermutstropfen ist jedoch, dass viele der regionalen Fahrradwege oft nur kurze Zeit am Meer verlaufen und auch die „North Sea Cycling Route“ oft durchs Hinterland verläuft. Der schwedische Teil der „North Sea Cycling Route“ ist übrigens Bestandteil eines über 6.000 km langen Radwegnetzes, das einmal um die Anrainerstaaten der Nordsee herumläuft. Ab und an radle ich auch auf tollen, schmalen Nebenstraßen, die sich vorbei an tollen Meeresbuchten durch schmale Felspassagen schlängeln. Immer wieder laden kleine Badebuchten zum Verweilen ein. Grade diese Straßen kann ich vollends genießen, da ich nie sehe, welche spannende Kulisse hinter der nächsten Kurve wartet. Doch leider muss ich lange Passagen auf engen Hauptstraßen fahren, die für Einheimische und Urlauber die einzige Verbindungsmöglichkeit zwischen den kleinen Orten sind und dementsprechend stark befahren werden. Auch der Wind bläst mir fast immer nur aus Nordwesten ins Gesicht!

Marstrand

Trotz des Gegenwindes mache ich einen längeren Abstecher zu der Kleinstadt Marstrand, die weit im Westen auf auf einer Insel gelegen ist. Doch der Umweg lohnt sich: Das Zentrum des ehemaligen Kurortes wird geprägt von wunderschönen alten Holzvillen und schmalen, gemütlichen Gassen, die zumeist zur großen „Carlstens“ Festung hinauf führen. Manchmal würde es mich nicht wundern, wenn Pippi Langstrumpf hier um die Ecke gelaufen kommt! Vor der kleinen Fähre ist für Autos Schluss, dass alte Zentrum darf man nur per Fahrrad oder zu Fuß erkunden. Jetzt ist hier noch ruhig und beschaulich, aber in der absoluten Hochsaison ist der kleine Ort der beliebteste Yachthafen Schwedens.

Beschauliche Küste

Aber auch Orte wie z.B. Smögen, Lysekil und Fiskebäck lohnen auf jeden Fall Abstecher. Manche Orte könnten wohl jeder Zeit Vorlage für „Legoland“ sein: Unter hohen Felswänden ducken sich weiße Musterholzhäuser und das Meer ist gesprenkelt mit winzigen Felseilanden. Auf gar keinen Fall sollte man sich die 3.000 Jahre alten Felszeichnungen und Ritzungen in Tanumshede entgehen lassen, die sogar auf der Liste des Weltkulturerbes der Unesco stehen! Von dort sind es nur 20 km bis zum quirligen Hafenort Strömstad, der nicht nur Urlaubsort vieler Norweger ist, die hier eintreffen, sondern auch Ausgangspunkt für viele Touren in der Umgebung.

Die fantastischen Koster Inseln

Die Koster Inseln sind Bestandteil eines maritimen Nationalparks, der erst vor kurzer Zeit eingeweiht worden ist. Die Inseln sind mit dem Schnellboot von Strömstad in einer knappen Stunde zu erreichen. Fasziniert betrachte ich nicht nur die langen Menschenschlangen, sondern auch die Unmengen von Fahrrädern, Kinderwägen und Koffern, die sich am Kai vor der Fähre stapeln.
Nord- und Südkoster sind durch einen schmalen, teils nur 50 m breiten Sund voneinander getrennt! Die Kabelfähre wird im Winter von den Passagieren gesteuert, im Sommer traut man den „Großstadttouris“ die richtige Steuerung der Fähre nicht zu und setzt Studenten zur Steuerung auf die Fähre! Autos sind auf den Inseln bis auf sehr wenige Ausnahmen nicht erlaubt: das gängige Verkehrsmittel sind kleine Lastenmofas, auf denen die Einheimischen alles von Holzbalken bis hin zur Kleinfamilie transportieren. Eine ganze Armada der kleinen „Knatterkisten“ steht bei Ankunft der Fähren bereits wartend bereit.

Die nördliche Insel ist kleiner und wird besser zu Fuß zu erkundet. Kleine, stille Buchten verlocken zum Verweilen und vom Leuchtturm hat man einen spektakulären Ausblick über die unzähligen kleinen und großen Felsinseln. Die südliche Insel ist größer und wird von Sandwegen durchzogen und wird im Sommer von Heerscharen von Radfahrern bevölkert; auf Anhieb sehe ich 5 verschiedene Fahrradvermieter mit einigen Hundert Leih-Fahrrädern. Aber auch hier findet man maximal 20 km Wegnetz und alle Wege enden natürlich am Meer!

Weiter geht es ...

Nördlich von Strömstad endet Schweden und der langgezogene Oslofjord beginnt bald. Die nächste Etappe führt mich nach Halden in Norwegen. Entlang zahlloser Seen geht es von dort durch Wald wieder zurück nach Schweden. Wie es dort weiterging, haben Sie schon in dem Bericht über meinen Paddel-Tripp in Dalsland gelesen.

Reistipps

Reisezeit: Von Mitte Juni bis Anfang/Mitte August ist absolute Hochsaison und die Zeltplätze verwandeln sich wahre „Zeltstädte“. Die Preise sind in dieser Zeit wesentlich höher, feste Unterkünfte sind dann oft nur schwer zu bekommen.
Besser geeignet ist die Zeit zwischen Mai und Mitte August und Mitte August bis Mitte September.

Anreise: Siehe „Göteborg“. Viele Orte liegen an der Eisenbahnstrecke Göteborg – Oslo, zudem gibt es eine Bummelbahn zwischen Strömstad und Göteborg. Von Strömstad gibt es eine Fähre über den Oslofjord nach Sandefjord. Sandfjord wird vom Billigflieger „Ryanair“ angeflogen.

Fahrrad: Auf der Seite www.northsea-cycle.com finden sich viele Infos (auch in deutscher Sprache) zum Radfahren rund um die Nordseeländer. In den lokalen Touristeninformationen bekommt man auch gutes Kartenmaterial zu den jeweiligen Radrouten. Zudem gibt es in Schweden weitere lokale Radwege. Nähere Infos erfragt man am besten bei den lokalen Fremdenverkehrsämtern.
Man kann z. B. Von Göteborg nach Skee (nahe Strömstad) per Bahn (Radmitnahme möglich) fahren und dann die Küste südwärts nach Göteborg zurückfahren.

Text und Fotos © Reinhard Pantke

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